Alpinklettern am Gippel

Vier neue Linien mit vier unterschiedlichen Charakteren. Jede erzählt ihre eigene Geschichte und folgt ihrer eigenen Idee - doch alle stehen für dieselbe Philosophie: ehrliche Alpinkletterei, bei der Eigenverantwortung, natürliche Linienführung und das Erlebnis am Berg im Mittelpunkt stehen.

Zustieg zur Wand:

Von Kernhof (Thalerl) ca. 50 Minuten lang der Forstraße folgen. Bei einer Abzweigung rechts der Serpentine nach weiter aufsteigen. Ca. 20 Minuten später erreicht man eine markante und breite Schuttrinne (ggü. befindet sich ein kleiner Hochstand). Der Schuttrinne aufwärts folgen (Stufen bis UIAA 2). Bei einer Y-förmigen Teilung der Rinne links halten (orogr. rechts) und entlang der Rinne höher steigen. Weiters über Geröll und zwei Felsstufen (bis UIAA 2) unter den Westpfeiler.

Abstieg:

Vom Gipfel abwärts über den Treibsteig und in ca. 20 Minuten zum Gippeltörl. Hier nordseitig absteigend Richtung St. Aegyd. Nach ca. 30 Minuten erreicht man eine Forststraßen-Querung. Der Forstraße absteigend (nach links abbiegend) folgen. Etwa 20 Minuten später gelangt man zum Aufstiegsweg. Auf diesem in ca. 40 Minuten nach Kernhof (Thalerl) absteigen.

Hinweise:

  • Alle Routen sind grundsätzlich alpin abgesichert (Details → sh. einzelne Routenbeschreibungen unterhalb).

  • Selbst für den Zustieg sind eine solide Trittsicherheit und grundlegende Orientierungsfertigkeiten im weglosen Gelände notwendig.

  • Zum abseilen benötigt man zumindest ein ungekürztes 50m langes Einfachseil. Das Seil muss bei den beiden oberen Abseilstellen exakt bis zur Mitte gefädelt werden! Achte auf Knoten (Empfehlung: Paketknoten) an den Seilenden.

  • Die Wand ist west- bzw. nordwestseitig orientiert. Somit scheint die Sonne je nach Jahreszeit erst am Nachmittag bzw. frühen Abend in die Wand. An klaren und besser nicht zu kühlen Abenden, kann man in außengewöhnlicher Lichtstimmung (Alpenglühen!) klettern. Klare Empfehlung!

“ALPENECHO” | 6+

Die Alpenecho ist eine schöne und homogene Abenteuerroute im Nordwestwand-Oval am Gippel. Im unteren Teil führt sie durch die steile und anspruchsvolle Hauptwand. Weiter oben zieht sie über eine schöne, mit Digonalrissen durchzogene Headwall mit abschließendem Boulderproblem. Sie beschreibt sich als abwechslungsreich, alpin und abenteuerlich. Der Name Alpenecho stammt von einem Gipfelständchen nach der Erstbegehung - mit einer gleichnamigen Mundharmonika.

Ausrüstung:

  • Komplette Alpinkletterausrüstung mit 50m Einfachseil (für die Abseilpiste sind exakt 50m nötig!)

  • 9 Expresschlingen

  • Evtl. Klemmkeile

  • Ein Satz Friends bis Gr.1

Absicherung:

In den Seillängen klassisch alpine Absicherung - überwiegend aus Normalhaken. Insgesamt kann gut mit Friends u. KK ergänzt werden. An den Standplätzen jeweils zwei Bohrhaken.

Erstbegehung:

Alexander Brückler, Florian Simon und Patrick Faurot; 2021 und 2026

“Archeopteryx” | 7+

Die Archeopteryx ist eine schwierige Alpinklettertour über Risse, Überhänge und Verschneidungen. Im unteren Wandteil zieht sie in direkter Linie durch die mindestens senkrechte Hauptwand. An deren oberen Ende befindet sich die namensgebende Schlüsselstelle, bei der man seine Flügelspannweite messen darf. Im oberen Wandteil lässt der Schwierigkeitsgrad deutlich nach, dafür muss hier fast ausschließlich mobil abgesichert werden. Haken sitzen auch in den schwierigen Seillängen nur dort, wo sie aus der Kletterposition oder vom Skyhook aus gesetzt werden konnten. Die Archeopteryx ist eine exponierte Linie für Alpinkletterer, die neben der nötigen Klettertechnik auch einen kühlen Kopf und die entsprechende Erfahrung mitbringen.

Ausrüstung:

  • Komplette Alpinkletterausrüstung mit 50m Einfachseil (für die Abseilpiste sind exakt 50m nötig!)

  • 6 Expresschlingen

  • Evtl. Klemmkeile

  • Ein Satz Friends bis Gr.1

Absicherung:

Alpine Normalhaken-Absicherung mit vereinzelten Bohrhaken; variierende und nach oben hin häufiger werdende Möglichkeiten für mobile Placements. An den Standplätzen jeweils zwei Bohrhaken.

Erstbegehung:

Alexander Brückler und Patrick Faurot; 2026

“Friends and Family” | 6-

Die Friends & Family ist eine interessante und logisch geführte Alpinroute mit spannendem Finale. Obwohl sich die klettertechnische Schlüsselstelle bereits in der zweiten Seillänge befindet, bilden die Schlussmeter den eigentlichen Höhepunkt der Tour. Während sich die Schwierigkeiten durchgehend im fünften Grad bewegen, wird die Absicherung nach oben hin zunehmend alpiner. Zwingende Runouts gibt es über den gesamten Routenverlauf jedoch keine – Friends und Klemmkeile lassen sich in zahlreichen Rissen solide platzieren. Die Friends & Family erzählt auch die Geschichte ihres Namens: Familie gibt uns zu Beginn Halt und Orientierung, später suchen wir uns unsere Freunde selbst. Genauso verhält es sich in dieser Route: Mit zunehmender Freiheit wächst auch die Eigenverantwortung.

Ausrüstung:

  • Komplette Alpinkletterausrüstung mit 50m Einfachseil (für die Abseilpiste sind exakt 50m nötig!)

  • 8 Expresschlingen

  • Klemmkeile

  • Ein Satz Friends inkl. großer Größen! - bis Gr. 3 oder besser 4

Absicherung:

Nach oben hin stetig alpiner werdende Absicherung mit sehr vielfältigen Optionen für Friends u. KK; 
die Schlüsselstelle in der zweiten Seillänge ist sehr gut mit Bohrhaken abgesichert. An den Standplätzen jeweils zwei Bohrhaken.

Erstbegehung:

Alexander Brückler & "Friends": Patrick Faurot; Oliver Wagner und Alexander Bayerl; 2026

“Panoramapfeiler” | 7

Der Panoramapfeiler ist eine anspruchsvolle und aussichtsreiche Alpinroute mit schönen Kletterpassagen und steilen Aufschwüngen. Er verläuft abschnittsweise gemeinsam mit der etwas einfacheren Friends & Family. Während diese stets den Weg des geringsten Widerstands sucht, folgt der Panoramapfeiler einer direkteren und klettertechnisch anspruchsvolleren Linie. Die Aussicht von den Standplätzen ist außergewöhnlich und macht ihrem Namen alle Ehre.

Ausrüstung:

  • Komplette Alpinkletterausrüstung mit 50m Einfachseil (für die Abseilpiste sind exakt 50m nötig!)

  • 6 Expresschlingen

  • evtl. Klemmkeile

  • 3-4 Friends in mittleren Größen

Absicherung:

Generell eher weitere Absicherung mit Bolts und Schlaghaken und nur selten Möglichkeiten für mobile Sicherungsmittel. Die Haken stecken aber dort wo man sie wirklich braucht. An den Standplätzen jeweils zwei Bohrhaken.

Erstbegehung:

Alexander Brückler, Oliver Wagner und Florian Simon - 2020; Sanierung 2026

Sonnenuntergang (kein Filter!)